| Genre | Sport |
| Spieler | 1-2 |
Nach Wii Sports Tennis und Sega Superstar Tennis steht mit Top Spin 3 ein weiterer Tennis-Titel in den Händlerregalen. Der Name steht für großartige Tennis-Action, allerdings bisher nur auf Xbox und Playstation. Ob das erste „richtige" Tennisspiel auch auf der Wii überzeugen kann?
Endlich die Erfüllung?
Lange hat die Spielergemeinde auf einen Tennistitel für die Wii gewartet, der nicht nur Arcade ist und sich nicht einzig auf fuchtelnde rechts-links Bewegungen beschränkt (auch wenn Wii Sports-Tennis
das sehr gut macht). Mit Top Spin 3 ist nun ein Titel draußen, der voller Vorschußlorbeeren ist: schöne Optik, eine eingängige Steuerung sowie ein Karrieremodus inklusive rollenspielähnlichen
Elementen. Eigentlich alles, was ein guter Tennistitel benötigt, um zu fesseln. Auf der Wii jetzt noch das Knöpfe drücken durch realistische Bewegungen ersetzen und man hat DEN Sporttitel für
Konsolen...sollte man denken. Denn ganz so einfach scheint die Umsetzung und das Zusammenspiel der Erfolg versprechenden Komponenten nicht zu sein.
Matchball nicht verwandelt
Was man aus den Vorgängertiteln oder auch Konkurrenzprodukten wie Roland Garros kennt, fehlt in der Wii-Version (wie schon so oft). Mal wieder wurden die Nintendojünger mit einer Lightversion
abgespeist, denn in Top Spin 3 gibt es keinen Karrieremodus in dem der eigene Spieler gepusht werden kann, ebenso wenig kann eine Tennislaufbahn mit einem vorgegebenen Profi bestritten werden.
Stattdessen darf man in einem Wettbewerbsmodus antreten, in dem es acht Turnieraufgaben zu meistern gilt. Also alles andere, als ein gleichwertiger Ersatz.
Nun könnte man darüber vielleicht hinwegsehen, wenn denn eine Duellierung via Internet möglich wäre. Doch aus unerfindlichen Gründen hat Top Spin 3 keinen Onlinemodus, wobei dieser doch besonders bei
einem 1-on-1 oder 2-on-2 Titel prädestiniert wäre.
Na gut, wenn hier gespart wurde, muss es ja eine ordentliche Portion Minispiele geben. Tja, Pustekuchen, denn Top Spin 3 liefert genau drei Minispiele: Tempomodus, Schlüsselmatch und „Der
Unbezwingbare". Kreativ ist anders, denn in Ersterem wird ein Spiel im Tie-Break ausgefochten, während der Unbesiegbare wohl für sich spricht. Im Schlüsselmatch kann mit bis zu vier Spielern ein
reguläres Match spielen, der Sieger geht allerdings aus den Statistiken wie Aufschlagquote oder Volleyspiel hervor. Da bietet selbst der Arcadetitel Sega Superstars Tennis deutlich mehr
Abwechslung.
Wii steuert es sich?
Die Wii hat durch ihre Wiimote eigentlich einen deutlichen Vorteil bei Sportspielen gegenüber den anderen Konsolen. Gerade bei Spielen wie Tennis oder Golf sollte man vollen Einsatz erwarten können.
Top Spin 3 enttäuscht hier leider, denn eine wirkliche Weiterentwicklung zum Wii Sports-Tennis ist nicht zu merken.
Ein Tutorial ist zwar vorhanden, doch besteht es lediglich aus Text, anstatt den Spieler interaktiv in die Bewegungsabläufe einzuführen. Der wirkliche Sportler liest sich seine Fähigkeiten ja auch
eher an.
Im Spiel wird die Wiimote um 45 Grad gedreht, um wohl das Gefühl einen Schläger in der Hand zu haben zu unterstützen. Die Wirkung ist eher mäßig und man drückt des Öfteren ungewollt die Knöpfe auf
der Vorderseite. Die Bewegung von rechts unten nach links oben soll dann ein Vorhandschlag sein, von links unten nach rechts oben ein Rückhandschlag. Dazu vibriert die Wiimote für den Bruchteil einer
Sekunde und wenn der Schalg genau dann ausgeführt wird, soll er stärker angeschnitten, also Top-Spin sein. Diesen Effekt habe ich, wenn es hochkommt, einmal geschafft, ansonsten waren es immer nur
normale Schläge.
Nerviges Problem bei der Ausführung der Bewegung ist das Kabel zwischen Wiimote und Nunchuk, das immer zu kurz ist, manchmal hat man Angst es herauszureißen, weil der Schwung nicht mit beiden Händen
gleichmäßig genug war.
Also nutzte ich meist die Schläge aus dem Handgelenk wie schon bei Wii Sports und es reichte trotz allem aus, um meinen recht dämlichen KI-Gegner auszuschalten. Wie beim realen Tennis schlägt man
einfach in die linke Grundlinienecke, dann in die rechte und wieder in die link - der Gegner wird den Ball beim dritten Mal nicht mehr erreichen. Diese Taktik das ganze Spiel durch beibehalten bringt
am Ende den Sieg...und pure Ernüchterung.
Die restliche Steuerung des Spielers per Control Stick vom Nunchuk funktioniert reibungslos, doch erscheint das Spieltempo wie bei einem Altherren-Turnier. Langsam wird sich dem Ball genährt, der
ebenfalls in gemäßigtem tempo über das Netz geflogen kommt. Da fehlt es einfach an Dynamik und auch der Spielspass hält sich so in Grenzen.
Aufschläge, Stopps und Lobs dürfen natürlich auch selbst gespielt werden, was um einiges eleganter funktioniert als die restliche Steuerung und auch zu Erfolg führt.
Positiver Lichtblick
Es gibt aber auch Positives bei Top Spin 3 für die Wii. Der "Hammer" dabei ist, dass es sich um die Grafik handelt. Bedenkt man, dass die Wii keinesfalls grafisch mit der PS3 oder Xbox 360 Schritt halten kann, präsentiert sich der sonst immer so gescholtene Grafikstil ziemlich gut. Man erkennt alle Spielermodelle, die Umgebung, sprich Feld und Zuschauer, ist nett animiert und die Bewegungen der Charaktere wirkt ebenfalls flüssig. Die oft gesehenen hölzernen Puppen sind diesmal daheim geblieben. Einzig die nach jedem Spielzug erscheinende Wiederholung kann nicht abgestellt werden und nervt dann doch etwas.
Soundtechnisch gibt es ebenfalls wenig zu bemängeln. Die vorhandenen Zuschauer machen ordentlich Radau und der Soundtrack wurde von der Next-Gen-Version übernommen. Hier stören nur der auf Dauer
nervige Schiedsrichter und die ebenfalls zu häufigen Wiederholungen der einzelnen Samples.
Fazit
Die meisten Wii-Spieler hatten sich von Top Spin 3 wohl genau das erwartet, was man mit dem Titel bisher verband: Karrieremodus, Minispiele, abwechslungsreiche Darbietungen und das ganze gewürzt
mit der intuitiven Steuerung. Leider enttäuscht der Titel genau in diesem Bereichen und dem Käufer wird eher eine Lightversion des Spiels präsentiert, allerhöchstens ein aufgepepptes Wii
Sports-Tennis. Dabei hat Sega es mit seinem Arcadetitel „Superstars Tennis" vorgemacht, zumindest, was die Abwechslung angeht. Aber auch Roland Garros zeigte bereits auf der PS2 wie es funktionieren
kann.
Somit ist Top Spin 3 für Wii leider nur ein solides Tennisspiel ohne viel Brimborium geworden. Wer Tennis in reinster Form, aber eben auch nur das haben möchte, kann zugreifen. Alle, die etwas mehr
von einem Tennisspiel erwarten, besonders auf der Wii, sollten Virtua Tennis oder einen anderen Folgetitel warten.
--> by Rafael
+ Erstes realistisches Wii-Tennisspiel
+ Große Charakterauswahl
+ Interessante Ansätze...
- Fehlende Karriere
- Kein interaktives Tutorial
- Zu komplexe, langsame Steuerung
- Wenig Minispiele, die langweilig sind
- ...schwammig umgesetzt
Wiikend-Wertung: 68%
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