| Genre | Action-Adventure |
| Spieler | 1 |
Harry Potter ist und bleibt die Eier legende Wollmilchsau. Nachdem die Bücher über den kleinen Zauberer, der die große Welt vor Voldemort retten muss, bereits gigantische Absatzzahlen verbuchten
und riesige Fangemeinden erschufen, folgten Kino und Videospiel. Im Kino ebenfalls erfolgreich, obgleich schwächerer Umsetzung gegenüber dem Buch, hatten es die bisherigen Videospiel-Teile um „Dirty
Harry“ schwer. Nun gibt es also den sechsten Teil: Harry Potter und der Halbblutprinz. Ob diesmal groß gezaubert oder doch eher gestümpert wird, lest ihr in unserem Test.
Große, weite Zauberwelt
Einen ordentlichen Wälzer von Buch in ein Videospiel zu stecken, erfordert einiges an Können. Will jede noch so kleine und interessante Wendung eingebunden werden, müsste das Spiel ein episches
Meisterwerk werden. Da dies aber sowohl aus Kostengründen als auch aus Zeitgründen nicht möglich ist, beschränkt sich Harry Potter und der Halbblutprinz auf das Nötigste: Voldemort ist zurück, muss
besiegt werden und das ganz soll Dank eines mysteriösen Buches leicht von der Hand gehen. Na, wollen wir mal sehen.
Das Spiel beginnt mit einem kurzen Prolog. Nachdem Harry im Fuchsbau, dem Haus der befreundeten Familie Weasley, ein paar Übungseinheiten in Sachen Besenflug und Objektbewegung absolviert hat, geht
es los zur Zauberschule. Diese ist wirklich gut gelungen.
Wenn schon die Story verknappt werden muss, soll wenigstens die Zauberwelt pompös daherkommen. Das Gelände um Hogwarts ist riesig und weit verzweigt und birgt Geheimnisse birgt, wie es auch in
Büchern und Filmen dargestellt wird. Die Entwickler von Harry Potter und der Halbblutprinz scheinen sich ein Beispiel daran genommen und all ihren Schweiß in die Gestaltung der Schule und ihrer
Umgebung gesteckt zu haben.
Braucht der Spieler für die Basis-Story rund sechs Stunden, bietet ihm die frei erkundbare Welt um Hogwarts ungefähr noch mal so viel Spaß. Hier dürfen dann neben den Aufgaben der Hauptstory weitere
Entdeckungen gemacht werden. Insgesamt dürfen 150 Hogwarts-Wappen gesucht und gefunden werden. Diese sind teils offensichtlich, teils gut versteckt oder in Einzelteilen im Schloss aufzufinden. Auch
nachdem die Hauptgeschichte beendet wurde, darf nach den Wappen gesucht werden. Dies erhöht den Wiederspielwert um einen gewissen Grad.
Drei Aufgaben sind zu bestehen
Was Harry Potter und der Halbblutprinz nicht so gut gelingt wie dem Vorgänger, ist der Aufbau der Story. Diese ist wie bereits erwähnt, stark zusammengerafft und wird in Zwischensequenzen
präsentiert. Manchmal gibt es auch eine nette Cutscene anzuschauen. Die eigentliche Geschichte treibt man selbst damit allerdings nicht voran, einzig durch die erledigten Aufgaben gelangt man von
Sequenz zu Sequenz. Schade, denn gerade das Vorantreiben der Geschichte ist ein wesentlicher Punkt der Unterhaltung.
Die Aufgabenvielfalt hält sich dabei leider auch in Grenzen. Ihr dürft euch im Quidditch beweisen und als Jäger dem goldenen Schnatz hinterher jagen, müsst Zaubertränke brauen oder euch in Duellen
mit Schülern und später auch Todessern messen. Dabei rennt mehr oder weniger von einer Aufgabe zur nächsten, wenn ihr dem roten Faden folgt. Begebt ihr euch auf Entdeckungstour durchs Schloss,
herrscht etwas mehr Abwechslung.
Meister aller Klassen
Dass nur drei Aufgaben zur Verfügung stehen, wäre an sich nicht allzu schlimm, wenn diese dann unterschiedlich gestaltet wären. Doch auch in diesem Punkt bleibt Harry wenig experimentierfreudig. Der
Ablauf ist nahezu immer gleich.
Im Quidditch jagt ihr in einer wilden Verfolgungsjagd dem Schnatz hinterher. Klingt soweit doch ganz gut. Allerdings findet diese Jagd auf einer festen Bahn statt, von der ihr nicht abweichen könnt.
Einzig kleinere Ausbrüche zur Seite oder nach oben und unten sind möglich. Fliegt ihr durch ein Sternentor, werdet ihr schneller, prallt ihr gegen Hindernisse oder Gegner, verlangsamt sich euer
Tempo. Die gegnerischen Spieler dürfen während der Hatz per Nunchuk mit der Wiimote unschädlich machen.
Die Braukunst der Zaubertränke folgt ebenfalls linearen Abläufen. Mit Nunchuk und Wiimote begebt ihr euch an den Kessel und kippt verschiedene Zutaten hinein. Schön aufpassen, dass nicht zu viel
einer Sache im Topf landet, sonst heißt es „nochmal bitte.“ Ein Rezepr an der rechten Bildschirmseite zeigt euch stets das als nächstes benötigte Kraut und die erwartet Farbe des Zaubertranks. Der
Schwierigkeitsfaktor wird zudem durch ein bestimmtes Zeitlimit erhöht, was im Gewühl der teils gleich aussehenden Tränke und mit einer manchmal fummeligen Steuerung schon mal zu Hektik führen kann.
Vielleicht wäre Wii MotionPlus hier ganz nett gewesen. Dennoch ist auch diese Aufgabe beim zweiten, spätestens dritten Mal recht leicht zu lösen.
Die dritte Aufgabe ist wohl die interessanteste. Es geht ins Duell. In Duellierclubs der Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin dürft ihr zeigen, was ihr drauf habt. Immer wieder
geratet ihr in Duelle, während ihr durchs Schloss lauft. Dabei sind anfangs Malfoy und seine Kumpanen eure Gegner, später tretet ihr auch einigen namhaften Todessern gegenüber.
Im Spielverlauf erlernt ihr verschiedene Zaubersprüche, die es dann gegen die fiesen Zauberer ein zusetzen gilt. Es werden sowohl Angriffs- als auch Defensivzauber erlernt, von denen allerdings nicht
alle nützlich sind. Hat man den Dreh für ein Duell raus, reichen drei bis vier Zauber aus, um zu gewinnen – selbst gegen Todesser oder Voldemort. Schade, denn es steht eine gewisse Vielfalt an
Sprüchen zur Verfügung.
Ärgerlich wird es, wenn Harry getroffen wird. Dies kann dazu führen, dass ein Fluch nach dem anderen auf den kleinen Zauberlehrling einprasselt und das Duell verloren geht, da das Aufstehen
automatisch abläuft und man als Spieler nicht eingreifen kann. Gut umgesetzt ist die Steuerung, da die Wiimote als Zauberstab fungiert.
Atmosphärische Störungen
Was Darbietung und Atmosphäre angeht, so ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Einerseits sind Schloss und Umgebung gut gelungen, auch die düstere Atmosphäre im Spielverlauf passt zur Thematik des
Spiels. Allerdings beschmutzen auffällige Clippingfehler und hölzern wirkende Mimiken der Charaktere das Ambiente. Eine ebenfalls schwache Synchronisation tut ihr Übriges, da keine Originalsprecher
für den Titel gewonnen werden konnten. Da kann auch der recht gelungene Soundtrack leider nichts mehr rausreißen.
Fazit
J.K. rowling erschuf mit Harry Potter eine wahre Größe der fantastischen Zauberwelt. Was in den Büchern wirklich grandios beschrieben wird, schaffen die Filme nur bedingt umzusetzen und auch die
Videospiele haben ihre liebe Mühe mit der immer größer werdenden Vielfalt von Buch zu Buch. Harry Potter und der Halbblutprinz ist daher – für das, was ein Videospiel als Buchumsetzung in diesem
Umfang leisten kann – in Ordnung. Es reißt einen sicherlich nicht vom Sattel, doch bietet es vor allem für Fans solide Zauberkost. Die Steuerung wird fast immer gut umgesetzt und Frustmomente sind
glücklicherweise Mangelware. Grafisch befindet sich der Zauberlehrling im Mittelfeld und auch beim Umfang macht er eine ganz ordentliche Figur. Was das Gesamtbild trübt, sind die „nur“ drei Aufgaben,
die zudem immer gleich ablaufen und der linear in Zwischensequenzen erzählte Storyablauf.
Eine Kaufempfehlung spreche ich nur für Fans aus, alle anderen sollten erstmal eine Ausleihe anstreben.
--> by Rafael
+ umfangreiche Zauberwelt
+ Steuerung gut umgesetzt
+ guter Soundtrack
+ gelungene Atmosphäre
- nur drei Aufgaben + kurze Story
- Minigames auf Dauer eintönig
- linearer Storyablauf in Zwischensequenzen
- teils unausgeglichene Zauberduelle
- Clippingfehler
- hölzerner Charaktere
Wiikend-Wertung: 61%
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