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Agatha Christi - Und dann gabs keines mehr

Genre Point & Click Adventure
Spieler 1

 

Wer kennt sie nicht, die Koryphäe des Kriminalromans. Bestseller wie Mord im Orient-Express oder Tod auf dem Nil sind weltweit bekannt und wurden in 45 Sprachen übersetzt. Neben abgeschlossenen Romanen schickte Christie auch Detektiven Miss Marple auf Mördersuche. Nicht verwunderlich ist es dabei, dass die Krimis mehr als eine Milliarde Mal über den Ladentisch gingen und zudem verfilmt wurden. Nun gibt es einen ihrer Bestseller also auch für die Konsole.

 

Ein versenktes Boot ist nur der Anfang

 

Auf dem PC bereits ein Klassiker erobert das Point & Klick-Adventure nun auch die Wii. Orientiert ist das Spiel am Buch „Zehn kleine Negerlein" von Agatha Christie, allerdings hat man durch das Lesen des Buches keinerlei Vorteile beim Lösen des Wii-Falles.

 

Nach einem längeren Vorspann, der die einzelnen Charaktere bereits einmal vorstellt, findet man sich als Bootsfahrer Patrick Narracott vor dem Anwesen des geheimen Gastgebers wieder. Versucht man sich aufgrund des aufkommenden Sturms Zutritt zum haus zu verschaffen, wird man vom Butler recht bestimmt darauf hingewiesen, dass man die Insel nun endlich verlassen solle. Also mache ich mich auf den Weg zurück zu meinem Boot und muss mit entsetzen feststellen, dass irgendjemand mein Boot und damit die Möglichkeit (für alle!) die Insel zu verlassen, versenkt hat. Nun denn, so begebe ich mich auf den Weg zurück zum Haus und erkunde dabei gleichsam die Umgebung. Auf Anhieb fallen mir diverse böse Stellen auf, die sich hervorragend für einen tödlichen Schicksalsschlag eignen - werde ich hier später Opfer finden? Wir werden sehn. Nach einer erneuten Ankunft beim Butler werde ich hinein gebeten und das Spiel beginnt endgültig.

 

10 Menschen und 1 Insel

 

Im Inneren des Hauses haben sich die zehn Gäste versammelt, die noch nicht wissen, weshalb sie auf das luxuriöse Anwesen eingeladen wurden. In einer aufgezeichneten Botschaft wird Ihnen dann mitgeteilt, dass Sie allesamt des Mordes angeklagt sind, und dass es Gerechtigkeit geben wird. Die einzelnen Morde an den Gästen richten sich dabei nach den Strophen eines Kinderreimes. Bald darauf gibt es den ersten Toten und jeder verdächtigt jeden, der geheimnisvolle Henker zu sein.
Da man selbst sozusagen das elfte Rad am Wagen ist (es waren ja nur zehn Gäste vorgesehen), begibt man sich auf die Suche nach dem mysteriösen Mörder, denn auch Narracott selbst ist potentielles Opfer in diesem Spiel.

 

Des Rätsels Lösung: die Fernbedienung

 

Gesteuert wird mit der Wiimote, welche die Maus der PC-Variante ersetzt. Dabei müssen keine wilden Fuchtelorgien gestartet werden, sondern das Ganze kann bequem vom Sofa aus angegangen werden. Während man auf den Bildschirm zeigt, verändert sich der Cursor und es stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung (wie Laufen, Schauen, Interagieren).
Spricht man mit einer Person, werden Notizen dazu rechts oben im Block gespeichert. Wird etwas eingesammelt, findet man es links oben im Inventar wieder. Dort können auch Gegenstände mit einander benutzt oder aber von einander getrennt werden, eben wie beim guten alten Point & Klick-Adventure üblich.

 

Doch nicht genug der Künste der wunderbaren Wiimote. Neben der Nutzung als Cursor ist sie auch interaktiv ins Spiel eingebunden. Um beispielsweise an einen geheimen Gegenstand auf dem Boden eines Mehlsacks zu kommen, muss dieser per Schaufelbewegung geleert werden.
Ein anderes Beispiel ist das Knacken einer Tresortür, indem man die Wiimote langsam nach links und rechts dreht, bis ein erlösendes Klicken zu hören ist und der Tresor aufspringt.
Ebenfalls nett gemacht ist das Öffnen von Türen, was per Linksdreh funktioniert, allerdings auf Dauer etwas ermüdend wirken kann (bei häufigen Raumwechseln).
Über die Taste 1 auf der Wiimote gelangt man ins Hauptmenü, wo das Spiel gespeichert und die Optionen geändert werden können. Alles also recht überschaulich.

 

So schön und präzise auch die Steuerung ist, so enttäuschend sind die Rätsel für echte Adventure-Freunde. Wer sich bei Monkey Island oder Sam & Max richtig wohl gefühlt hat, muss bei Und dann gabs keine mehr Abstriche machen. Die Rätsel sind knifflig und auch gut eingebaut, aber eben nicht abgedreht oder bockschwer. Die gute Agatha Christie erinnert hier an etwas Sherlock Holmes (und der silberne Ohrring) und spricht ohne Zweifel den Mainstream an.

 

Ein schönes Aussehen

 

Was die grafische Seite des Spiels angeht, wäre noch Platz nach oben gewesen. Jeder weiß, dass die Wii kein mit Optik protzendes Ungeheuer ist, aber etwas mehr hätte sie durchaus bewältigen können. Nichtsdestotrotz erfüllen die vorgerenderten Hintergründe mit der stimmungsvollen Musik die Ansprüche an das Genre und erzeugen eine dichte Atmosphäre. Auf den Hintergründen agieren die Charaktere, die leider etwas steif und detailarm wirken. Hier hätte etwas mehr Ausarbeitung gut getan.
Wie bereits erwähnt, gibt es am Sound nahezu nichts auszusetzen. Stimmig in jeder Situation und nicht nervig während längeren Rätselpassagen. Die Stimmen klingen sauber und professionell, nur teilweise zu leise in Gesprächen.


Fazit: Und dann hats Spaß gemacht

 

Agatha Christie - Und dann gabs keine mehr ist eine solide Portierung von PC auf Konsole. Grafisch zwar nicht auf dem neuesten Stand, dafür aber mit dichter Atmosphäre und Spieltiefe fesselt es (Leute die sich für das Genre interessieren) vor den Fernseher. Zudem ist es das erste Adventure (lässt man Zack und Wiki mal außen vor, da nur einen Tag später erschienen) für die Wii. Die technische Umsetzung ist sauber und die Steuerung leicht zu bedienen. Alles in allem ein durchaus gelungener Titel, der auch Genreneulinge begeistern kann und für ruhige, gemütliche Stunden vorm Fernseher wie gemacht scheint.

 

--> by Rafael

+ Tolle Atmosphäre
+ Gute Handlung
+ Präzise Steuerung
+ Gute Wiimote-Einbindung
+ Erstes Adventure auf der Wii

 

- Grafisch etwas steif
- Stimmen zu leise
- Wenig Deatils
- Rätsel teils etwas einfach

Wiikend-Wertung: 74%

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